Para-Tuberkulose - Verbindung mit Morbus-Crohn?

http://m.spiegel.de/wissenschaft/mensch/morbus-crohn-map-erreger-soll-auch-fuer-menschen-gefaehrlich-sein-a-345049.html

 

MAP-Erreger soll auch für Menschen gefährlich sein

Nach der Rinderkrankheit BSE gibt es nach Ansicht von Experten eine neue Tierseuche, die auch für den Menschen gefährlich ist. Das MAP-Bakterium, das bei Rindern die so genannte Paratuberkulose auslöst, verursacht möglicherweise auch die Darmkrankheit Morbus Crohn, an der weltweit mindestens eine Million Menschen leiden.

Morbus Crohn,  Sonntag, 06.03.2005 13:37 Uhr

 

Frankfurt/Main - Die chronische Darmentzündung Morbus Crohn geht mit Durchfall, Darmblutungen und Bauchschmerzen einher. "Wir müssen von der höchsten Gefährdungsstufe ausgehen", sagte Hans-Ulrich Klör, Professor für Magen- und Darmkrankheiten an der Uniklinik Gießen, der "Bild am Sonntag".

 

Der britische Morbus-Crohn-Forscher John Hermon-Taylor kritisierte, dass viele Regierungen wie in Großbritannien und Deutschland bisher kaum auf diese große Gefahr reagiert hätten. Laut "Bild am Sonntag" soll Verbraucherschutzministerin Renate Künast bereits im Oktober 2001 vom damaligen Bundesamt für gesundheitlichen Verbraucherschutz über eine mögliche Übertragung des Erregers auf den Menschen informiert und zum Handeln aufgefordert worden sein.

 

Politiker von SPD, Union und FDP warfen Künast in diesem Zusammenhang Versäumnisse vor. Der SPD-Veterinärexperte Wilhelm Priesmeier forderte zudem, dass Rinder, Schafe und Ziegen flächendeckend auf Paratuberkulose untersucht und im Falle einer Infektion getötet werden müssten.

 

Das Verbraucherschutzministerium wies den Vorwurf der Untätigkeit zurück. "Wir nehmen diese Probleme sehr ernst", sagte Staatssekretär Alexander Müller der "Bild am Sonntag". Bereits seit 2001 werde der Zusammenhang zwischen Paratuberkulose und Morbus Crohn in Deutschland untersucht. In der zweiten Jahreshälfte will das Ministerium ein Testverfahren ausschreiben, mit dem der MAP-Erreger bei Rindern nachgewiesen werden kann.

 

Wie die Krankheit genau auf den Menschen übertragen werden kann, ist unklar. "Die Tiere scheiden die Bakterien mit dem Kot aus, wodurch sie über Felder auch ins Wasser gelangen können", erklärte der Hannoversche Mikrobiologe Peter Valentin-Weigand. Bei Milch oder Milchprodukten besteht nach dem derzeitigen Kenntnisstand jedoch keine Gefahr für den Verbraucher.

 

MAP steht für Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis. Im vergangenen Jahr wiesen US-Forscher bei einer Untersuchung im Blut von jedem zweiten Crohn-Patienten Spuren von MAP-Erregern nach. Von diesen Bakterien ist bekannt, dass sie bei Rindern, Schafen und Ziegen ähnliche Darmbeschwerden verursachen.

 

Die Mediziner aus Orlando im US-Staat Florida analysierten Blutproben von 28 Crohn-Patienten und 15 gesunden Menschen. MAP wiesen sie bei 14 Patienten nach, das Bakterium trat jedoch bei keinem der gesunden Menschen auf.

 

In einem in der Zeitschrift "The Lancet" verfassten Begleitkommentar heißt es, die Studie beweise zwar noch nicht, dass MAP eine Ursache für Morbus Crohn sei, sie werfe jedoch wichtige Fragen auf. "MAP kann nun im Zusammenhang mit Morbus Crohn nicht mehr ignoriert werden", schreibt der australische Mediziner Warwick Selby.