Selbsthilfegruppe für Bornavirus, Borreliose und Co-Infektionen

Weitere Informationen:

Bornavirus, (englisch: Borna disease virus = BDV)

- ein Infektionserreger im Gehirn und Hauptverdächtiger für bipolare Störungen (Manisch-Depressive) -

Den Namen verdankt das Virus der Stadt Borna in Sachsen, wo diese Infektion vor ca. 100 Jahren zu seuchenhaften Krankheitsfällen mit Todesfolge bei Pferden führte. Da das Virus  bei verschiedenen Tierspezies (Pferden, Schafen, Katzen, Kaninchen, Ratten, Mäusen, Straußen und neuerdings auch Papageien und Wellensittichen, sowie  Zootieren) unter natürlichen Bedingungen nachgewiesen werden kann, muss es auch als zoonotisches Agens ins Auge gefasst werden.

 Betroffene Menschen müssen nicht notwendig Kontakt mit Tieren gehabt haben. Virusanteile befinden sich nach neuesten Forschungen seit Millionen Jahren im Genom des Menschen und von Tieren, siehe dazu die Seite Bornavirus-Aktuell. Ob dies für eine Aktivierung mit ausschlaggebend ist, muss weiter geklärt werden.

Borna tritt sehr häufig zusammen mit Borreliose auf; eine Studie zeigte doppelt so oft Antikörpter bei Borrelioseerkrankten an wie bei nicht Borreliosekranken. Des weiteren treten oft auch Herpesviren mit auf, insbesondere der EBV. Auch bei CFS, dem sogenannten chronischen Müdigkeitssyndrom ist nach neuen Erkenntnissen dieses Virus mitverursachend bei Immunregulationsstörungen.

Die Proteine des Virus verändern den normalen Stoffwechsel und die Funktionen, die speziell für neuronale Zellen von entscheidender Bedeutung sind.

Hinzu kommt bei den Manisch-Depressiven oft eine übermäßige Aktivierung der HPA-Achse (Hypothalamus - Pituitary=Hypophyse, Hirnanhangdrüse - Adrenaline Glands=Nebennieren). Die HPA-Achse verbindet sozusagen Psyche (Seele) und Soma (Körper), hat ihren Ausgangspunkt im Hypothalamus und in der Hypophyse im Gehirn und sendet bei Bedarf quasi automatisch hormongesteuerte Signale an die Nebennieren, welche dann u. a. mit einer massiven Ausschüttung von Stress-Hormonen (Adrenalin, Cortisol) reagieren.

Das kann eine Möglichkeit sein, dass Bipolare eine überaus hohe "Stress-Anfälligkeit" haben. Schon eine vergleichsweise geringe Stress-Belastung kann hier zur Auslösung einer Depression führen.

Die virale Interferenz mit der stimmungsstabilisierenden HPA-Achse beeinflusst diese Krankheitsbilder in Richtung zu einem verschlimmerten Zustand - und noch schlimmer, zu einen chronischen Verlauf.

II. Virusbeschreibung - Das Virus, dass "traurig" macht

DepressionDas Bornavirus siedelt sich im limbischen System im Gehirn an, dort, wo unsere Emotionen und Gefühle zu Hause sind. Von daher sind bei Virusaktivierung emotionale Störungen häufig anzutreffen und die Symptomenkomplexe greifen oft ineinander über, was eine ursächliche Betrachtung erschwert.

Das Bornavirus ist aus heutiger Sicht das bisher einzige Agens, das den für die Verhaltens- und Stimmungssteuerung zentralen und evolutionär sehr alten Gehirnbereich, das limbische System, spezifisch beeinflussen kann. Wenn sich bei bestimmten psychiatrischen Störungen des Menschen die Infektionshypothese mit Bornavirus weiter erhärten lässt, kommt dies einer völlig neuen Betrachtungsweise des psychiatrischen Patienten  gleich. Phasenhafte Affektstörungen sind beispielsweise so häufig, dass sie als Lebenszeiterkrankung mindestens 5% der Bevölkerung betreffen. Diese Erkrankungen erzeugen einen hohen Leidensdruck, erfordern lange Krankenhausaufenthalte und führen unbehandelt in 20% der Fälle zu Suiziden.

Die tatsächliche latente Durchseuchung, insbesondere beim Menschen, ist vermutlich noch höher einzuschätzen als mit den heutigen Methoden erfassbar ist. Praktisch jeder Dritte ist infiziert, d.h. es muss mit ca.30 % latent Infizierten in der Bevölkerung gerechnet werden, wobei 5 % der Gesamtbevölkerung (teilweise mit ernsthaften Selbstmordabsichten) Krankenhaus-pflichtig sind. Beim Pferd rechnet man mit einer 60 % igen Infektionsrate.

Tierexperimentelle Befunde zeigen, daß das Virus entlang der Axone von Nerven sich fortbewegt und nach Befall des Bulbus olfactorius von dort zentripedal ins zentrale Nervensystem (ZNS) wandert. Das Virus befindet sich dann in der limbischen sowie hypothalamischen Region, wo es zu Störungen der dopaminergen Neurotransmission führt. Dieser Effekt auf das Neurotransmitter-Netzwerk und dessen Funktion bietet eine Erklärung für affektive Störungen. In Japan gelang es erstmals, das Borna-Virus aus dem Gehirn eines an Schizophrenie (Psychose) erkrankten Patienten zu isolieren. Die Kenntnis, daß bornavirus-spezifische Antigene sowie virale RNA in peripheren mononukleären Zellen nachgewiesen werden konnte, ermöglichte es einer Berliner Forschergruppe vier Isolate aus weißen Blutzellen psychiatrisch kranker Menschen zu gewinnen.
Bemerkenswert ist die seit Jahren diskutierte Korrelation der Schwere der affektiven Störungen sowie akuter depressiver Episoden mit dem Nachweis von Virusmarkern im Blut, speziell mit Viruseiweißen und zirkulierenden Immunkomplexen.

III. Vermutete Ursache

Glutamat-Mangel als Ursache von Depressionen vermutet

Die verschiedenen Neuronensysteme des menschlichen und tierischen Nervensystems sind durch zahlreiche Erregungs-Übertragungsstellen, die Synapsen, miteinander verbunden. Diese Erregungs-Übertragung an den Synapsen erfolgt durch die Freisetzung von spezifischen chemischen Substanzen, sog. Neurotransmittern.
Die normale, gesunde Funktion des Nervensystems ist mit einem feinst organisierten Gleichgewicht der verschiedenen Neuronensysteme gesichert. Kommt es zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichtes, kommen verschiedene Störungen der neuronalen Systeme zustande, die die Bewegung, Koordination, Lernen, Erinnerung, Verhalten und Emotionalität steuern.

Eine besondere Gruppe von Viren hat starke Affinität zum Nervensystem. Diese sog. neurotropen Viren beherbergen und vermehren sich in Nervenzellen, ihre Produkte binden sich an die Erregungs-Übertragungsstellen, Synapsen, und verursachen dadurch schwere Störungen der Funktionen im Neuronennetzwerk.

Es wird vermutet, dass das Borna-Virus mit dem Botenstoff Glutamat um die Andockstellen an den Nervenzellen konkurriert, daß es sich hier also um eine kompetitive Hemmung handelt. Die Modellvorstellung zur Pathogenese geht davon aus, dass Virusbausteine (weniger das Virus selbst) eine reversible Störung oder Modulation der Neurotransmitterfunktion via Rezeptorblockade oder auf indirektem Wege bewirken.

Prof. Gosztonyi berichtete auf der Tagung am 24.9.09 in Bensheim (siehe nächster Absatz) über experimentelle Untersuchungen mit dem Bornavirus. Im Gehirn der Ratten, die mit diesem Virus infiziert werden, ist eine bevorzugte Affinität dieses Agens für excitatorische (erregende), sog. glutamaterge Nervenzellsysteme feststellbar, während die hemmenden (inhibitorischen), sog. GABA-ergen Nervenzellsysteme unversehrt bleiben. Diese Gleichgewichtsverschiebung zwischen excitatorischen und inhibitorischen Systemen manifestiert sich in einem Verhalten, in dem die Symptome denen der menschlichen Depression sehr ähnlich sind. Da bei der Mehrzahl der Patienten mit Depression eine chronische Infektion mit Bornavirus nachweisbar ist, liegt die Vermutung nahe, dass bei Menschen in der Entwicklung der Depression evtl. die Verdrängung der glutamatergen Systeme eine wichtige Rolle spielt. Somit hat die Berliner Arbeitsgruppe Recht, die eine Glutamat-Mangel (Defizienz)-Hypothese als eine der Grundlagen des depressiven Krankheitsbildes postuliert.

Weitere Informationen dazu können Sie in der Kurzfassung Dr. Bode nachlesen.

Neurobiologische Folgen der Bornavirus-Infektion des Nervensystems, die die
Emotionalität, das Lernen und Verhalten modulieren.
Tagung Bensheim 2009, Referent: Prof. Georg Gosztonyi (Dr. med, PhD ) Prof. für Neuropatology, an der FU Berlin, Dr. h.c. Semmelweiß Universität Budapest

Abstract: Die verschiedenen Neuronensysteme des menschlichen und tierischen Nervensystems sind durch zahlreiche Erregungs-Übertragungsstellen, die Synapsen, miteinander verbunden. Diese Erregungs-Übertragung an den Synapsen erfolgt durch die Freisetzung von spezifischen chemischen Substanzen, sog. Neurotransmittern.
Die normale, gesunde Funktion des Nervensystems ist mit einem feinst organisierten Gleichgewicht der verschiedenen Neuronensysteme gesichert. Kommt es zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichtes, kommen verschiedene Störungen der neuronalen Systeme zustande, die die Bewegung, Koordination, Lernen, Erinnerung, Verhalten und Emotionalität steuern.
Eine besondere Gruppe von Viren hat starke Affinität zum Nervensystem. Diese sog. neurotropen Viren beherbergen und vermehren sich in Nervenzellen, ihre Produkte binden sich zu den Erregungs-Übertragungsstellen, Synapsen, und verursachen dadurch schwere Störungen der Funktionen des Nervensystems.
Die Mechanismen, wodurch neurotrope Viren diese Funktionsstörungen erzeugen, wurden durch Darstellung der Wechselwirkungen zwischen Bornavirus und der Funktion der Neuronensysteme auf der Tagung am 24.10.09 in Bensheim erörtert:

Referat: Prof. Gosztonyi berichtete über experimentelle Untersuchungen mit dem Bornavirus. Im Gehirn der Ratten, die mit diesem Virus infiziert werden, ist eine bevorzugte Affinität dieses Agens gegen excitatorische (erregende), sog. glutamatergische Nervenzellsysteme feststellbar, während die hemmenden (inhibitorischen), sog. GABA-ergen Nervenzellsysteme unversehrt bleiben. Diese Gleichgewichtsverschiebung zwischen excitatorischen und inhibitorischen Systemen manifestiert sich in einem Verhalten, in dem die Symptome denen der menschlichen Depression sehr ähnlich sind.

Da bei der Mehrzahl der Patienten mit Depression eine chronische Infektion mit Bornavirus nachweisbar ist, liegt die Vermutung nahe, dass bei Menschen in der Entwicklung der Depression evtl. die  Verdrängung der glutamatergen Systeme eine wichtige Rolle spielt. Somit hat die Berliner Arbeitsgruppe Recht, die Glutamat-Mangel (Defizienz)-Hypothese, als Grundlage des depressiven Krankheitsbildes postuliert.
Ende Referat Gosztonyi

Anmerkung: Es ist also auch für Laien logisch, dass es in diesem Fall sinnvoller ist, das Bornavirus als Ursache zu bekämpfen als eine symptomatische Behandlung mit Antidepressiva und Psychopharmika, die sowieso in diesem Fall nicht viel nützt und große Nebenwirkungen haben kann.

Beteiligung der BDV-Infektion an phasenhaften Affektpsychosen (Dr. Bode)

aus http://library.vetmed.fu-berlin.de/resources/global/contents/2654808/bode_habil.pdf

Das pathogenetische Modell geht ebenfalls konform mit den in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnissen aus dem Humanbereich, die insgesamt eine Beteiligung der BDV-Infektion an phasenhaften Affektpsychosen stützen. Der Verlauf dieser bedeutsamen Erkrankungen (frühere Bezeichnung „endogene Depression“ und „manisch-depressive Psychose“) ist typischerweise durch einen Wechsel von symptomatischen und symptomfreien Phasen gekennzeichnet und daher eher mit einer funktionellen Störung als struktureller Schädigung von Nervenzellen vereinbar. Eine Fülle von Daten der biologisch-psychiatrischen Forschung unterstützt die heutige Sicht, nach der sich diskrete Veränderungen des Neurotransmitternetzwerks im limbischen System klinisch als Depression, respektive Manie, manifestieren. In akut depressiven Patienten wurden - in Analogie zu Tieren - im Blut häufig Antikörper und Antigenexpression gefunden, konnten virale RNA gezeigt, infektiöses Virus aus Blutzellen isoliert, Virusproteine im Liquor nachgewiesen und ein antidepressiver Effekt mit antiviraler Behandlung beobachtet werden.

Virus seit Millionen von Jahren im Genom des Menschen - siehe Seite Aktuell

So stellt sich BDV abschließend aufgrund seines erstaunlichen Wirtsspektrums und der ebenso ungewöhnlichen Konserviertheit seines Genoms als entwicklungsgeschichtlich sehr altes Virus dar, das sich in seiner vermutlich Jahrmillionen währenden Ko-Evolution mit Warmblütern perfekt an eine lebenslange Persistenz in deren verhaltenssteuerndem Althirnbereich angepaßt hat.

Hohe Durchseuchung bei Menschen und Pferden

Die tatsächliche latente Durchseuchung, insbesondere beim Menschen, ist vermutlich noch höher einzuschätzen als mit den heutigen Methoden erfaßbar ist. Praktisch jeder Dritte ist damit latent infiziert Es wird von 30 - 40 % latent Borna-Infizierte in der Bevölkerung ausgegangen, 5 % von ihnen erkranken ernsthaft mit Selbstmordabsichten. Bei den Pferden sind 60 % infiziert. Ende Zitat Bode

In der Habilitationsschrift von Dr. Liv Bode können Sie sich umfassend über das Virus bei Mensch und Tier informieren:
externer LinkBorna Disease Virus - natürliche Infektion und Krankheit bei Tier und Mensch - Wissensstand und Neubewertung von Diagnostik, Pathogenese und Epidemiologie unter Einbeziehung eigener Studien

externer LinkKurzfassung der Habilitatiosschrift

Wir möchten mit diesen Infoseiten den Rätseln dieser noch weitgehend unbekannten Zoonose näher kommen und dazu Therapeuten und Ärzte mit Erfahrungsberichten Betroffener zusammenzubringen. Die Erfahrungswerte mit bornainfizierten Pferden und ihren oftmals selbstbetroffenen Besitzern aus den Selbsthilfeforen, insbesondere dem Zoonoseforum www.chronische-infektion.de werden seit 5 Jahren gesammelt. Diese und die bisher auf seroepidemiologischer Basis erhobenen Daten der Bornaforscher bestätigten dann auch, dass die BDV-Infektion weltweit viel stärker verbreitet ist als in früheren Jahren vermutet, in denen BDV noch als exotischer seltener Erreger einer seltsamen Pferdekrankheit galt.

In 2007 wurde Dr. Liv Bode von der Vereinigung deutscher Wissenschaftler der Whistleblower-Preis für ihre Bornaforschungen zuerkannt. Mit dem Preis sollen jährlich auf internationaler Ebene Persönlichkeiten geehrt werden, die in ihrem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Risiken oder Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben.Interessierte finden darüber viel Material auf der Page der deutschen Wissenschaftler www.vdw-ev.de, die sich der Tradition verantwortlicher Wissenschaft verpflichtet fühlen. Aus den ganzen Dokumenten geht hervor, dass die neuen Erkenntnisse über das Virus in Deutschland aus welchen Gründen auch immer nicht unbedingt an die Öffentlichkeit gelangen sollen, was sich aber schon aus den zahlreichen Berichten aus der Pferdewelt bzw. ihrer (oft betroffenen) Besitzer nicht vermeiden läßt.

Um es mit den Worten von Dr. Liv Bode anläßlich der Übergabe des Whistleblower-Preises auszudrücken:
"Was wäre, wenn sich unsere bisherige Forschungen bestätigen würden und die rätselhafte Melancholie tatsächlich infektiöse Wurzeln hätte?" Möchten Sie mehr darüber lesen und die Zusammenhänge besser verstehen? Dann lesen Sie hier im folgenden pdf weiter, was Dr. Bode uns zur Verfügung gestellt hat: Dankesrede von Dr. Liv Bode anläßlich der Übergabe des Whistleblower-Preises 2007 - ein umfassender Bericht aus Vergangenheit zur aktuellen Gegenwart über die Entstehung von Depressionen, die Verbindung mit dem Bornavirus im limbischen System - Gemütsvirus als evolutionäres Erbe? - Krankheitserreger - Begleiter von Anbeginn - wann werden schlafende Bornaviren zum Risiko etc.:http://vdw-ev.de/festveranstaltung/Dankesrede%20Bode.pdf

Es gibt keine Impfung. In Deutschland wird im Veterinärbereich nicht mehr gegen die Borna-Erkrankung geimpft. Die Impfung wurde 1992 verboten aufgrund von berechtigten Zweifeln an der Impfung. Die ausführlichen Veterinärseiten über das Bornavirus bei Pferd, Katze, Schaf, Rind, Papagei u.a. finden Sie unter www.borna-borreliose-herpes.de

Meldepflicht 

Die Borna-Virusinfektion gilt nach dem Infektionsschutzgesetz als nicht meldepflichtig beim Menschen, bei den Tieren aber wohl, das dient allein der Statistik, dürfte daher wohl nicht oft gemacht werden, ist wohl auch nicht machbar, wenn allein ca. 60 % aller Pferde latent infiziert sind.

akt. 3.8.10

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