Bornavirus, Infektionserreger der sogenannten Borna'schen Krankheit (englisch: Borna disease; Borna disease virus = BDV)
Borna tritt sehr häufig zusammen mit Borreliose auf; eine Studie zeigte doppelt so oft Antikörpter bei Borrelioseerkrankten an wie bei nicht Borreliosekranken. Des weiteren treten oft auch Herpesviren mit auf, insbesondere der EBV. Auch bei CFS, dem sogenannten chronischen Müdigkeitssyndrom ist nach neuen Erkenntnissen dieses Virus mitverursachend bei Immunregulationsstörungen.
Den Namen verdankt das Virus der Kreisstadt Borna in Sachsen, wo diese Infektion erstmalig in seuchenhaftem Umfang auftrat. Da das Virus auch bei verschiedenen Tierspezies, insbesondere Pferden, Schafen und Katzen, aber auch Kaninchen, Ratten, Mäuse, sogar Strauße und Papageien, Zootiere, seltener Rinder. nachgewiesen werden kann, dürfte es sich bei dieser Infektion vermutlich um eine Zoonose handeln.
Wichtig: Auch wenn beim Bornavirus der Hauptwirt das Pferd ist und auch andere Tiere befallen werden, ist es nicht zwingend notwendig, dass ein betroffener Mensch Kontakt mit diesen Tieren hatte! Dieses Virus wird vererbt und befindet sich nach neuesten Forschungen - siehe dazu Aktuelles - seit Millionen Jahren im humanen Genom! Ob es auch aktiv wird, entscheidet in erster Linie die Situation des Immunsystems.
Das Virus, dass traurig macht
Das Bornavirus siedelt sich im limbischen System im Gehirn an, dahin also, wo unsere Emotionen und Gefühle zu Hause sind. Aber auch Quecksilberablagerungen finden wir dort - der Großnerv leitet Quecksilber ins limbische System -, worüber später noch bei der Behandlung die Rede sein wird. Von daher sind emotionale Störungen, Verschiebungen, sehr häufig, mit allem was dazu kommt und die Symptome greifen oft ineinander über, so dass man sie manchmal schwer auseinanderpuzzeln kann.
Aufgrund tierexperimenteller Befunde geht man davon aus, dass das Virus die Axone der peripheren Nerven sowie auch den Bulbus olfactorius befällt und von dort zentripedal ins zentrale Nervensystem (ZNS) gelangt. Das Virus findet sich dann in der limbischen sowie hypothalamischen Region, wo es zu Störungen der dopaminergen Neurotransmission führt. Dieser Effekt auf die Neurotransmitterfunktion könnte durchaus affektive Störungen erklären. In Japan gelang es vor kurzem erstmals Borna-Virus aus dem Gehirn eines an Schizophrenie (Psychose) erkrankten Patienten zu isolieren. Auch konnten wiederholt bei psychiatrischen Patienten Borna-Virus-Antigene so wie virale RNA in peripheren mononukleären Zellen nachgewiesen werden.
Bemerkenswert ist die Korrelation der Schwere der affektiven Störungen sowie akuter depressiver Episoden mit dem Nachweis von zirkulierenden Bornavirus-Immunkomplexen in Verbindung mit einer hohen Antigenämie im Plasma.
Glutamat-Mangel als Ursache von Depressionen vermutet
Das Bornavirus ist beteiligt am klinischen Krankheitsbild von manisch-depressiven und bipolaren Störungen, Zwangsstörungen (OCD), wahrscheinlich auch am Chronic Fatique Syndrom (CFS) und möglicherweise auch an Panikattacken. Es wird vermutet, dass das Virus mit dem Botenstoff Glutamat um die Andockstellen an den Nervenzellen konkurriert, dass es sich also um eine kompetitive Hemmung handelt. Die Modellvorstellung zur Pathogenese geht davon aus, dass Virusbausteine
(weniger das Virus selbst) eine reversible Störung oder Modulation der
Neurotransmitterfunktion via Rezeptorblockade oder auf indirektem Wege bewirken.
Auszug Kurzfassung Dr. Bode: Die wissenschaftliche Beweisführung für die Existenz humaner BDV-Infektionen,
die in der hier dargelegten Forschungsleistung einen besonderen Platz
einnimmt und auf die im Detail eingegangen wurde, konnte sich derselben Methoden
bedienen, die auch für den Nachweis von Tierinfektionen einsetzbar waren.
Die Modellvorstellung zur Pathogenese geht davon aus, dass Virusbausteine
(weniger das Virus selbst) eine reversible Störung oder Modulation der
Neurotransmitterfunktion via rezeptorblockade oder auf indirektem Wege bewirken.
Der postulierte Mechanismus kann erklären, warum bei der BK (Bornaerkrankung) der Tiere Apathie,
Schläfrigkeit und Ängstlichkeit parallel zur viralen Antigenexpression vorherrschen,
diese Symptomatik jedoch häufig spontan remittiert, d.h. keine bleibenden
Strukturschäden im Gehirn hinterläßt. Im Fall der progredient verlaufenden Form der
BK mit Todesfolge wäre eine außer Kontrolle geratene Virusproduktion, die nicht
mehr reversibel ist, plausibel.
Neurobiologische Folgen der Bornavirus-Infektion des Nervensystems, die die
Emotionalität, das Lernen und Verhalten modulieren.
Referent: Prof. Georg Gosztonyi (Dr. med, PhD ) Prof. für Neuropatology, an der FU Berlin, Dr. h.c. Semmelweiß Universität Budapest
Abstract: Die verschiedenen Neuronensysteme des menschlichen und tierischen Nervensystems sind durch zahlreiche Erregungs-Übertragungsstellen, die Synapsen, miteinander verbunden. Diese Erregungs-Übertragung an den Synapsen erfolgt durch die Freisetzung von spezifischen chemischen Substanzen, sog. Neurotransmittern.
Die normale, gesunde Funktion des Nervensystems ist mit einem feinst organisierten Gleichgewicht der verschiedenen Neuronensysteme gesichert. Kommt es zu einer Verschiebung dieses Gleichgewichtes, kommen verschiedene Störungen der neuronalen Systeme zustande, die die Bewegung, Koordination, Lernen, Erinnerung, Verhalten und Emotionalität steuern.
Eine besondere Gruppe von Viren hat starke Affinität zum Nervensystem. Diese sog. neurotropen Viren beherbergen und vermehren sich in Nervenzellen, ihre Produkte binden sich zu den Erregungs-Übertragungsstellen, Synapsen, und verursachen dadurch schwere Störungen der Funktionen des Nervensystems.
Die Mechanismen, wodurch neurotrope Viren diese Funktionsstörungen erzeugen, wurden durch Darstellung der Wechselwirkungen zwischen Bornavirus und der Funktion der Neuronensysteme auf der Tagung am 24.10.09 in Bensheim erörtert:
Referat: Prof. Gosztonyi berichtete über experimentelle Untersuchungen mit dem Bornavirus. Im Gehirn der Ratten, die mit diesem Virus infiziert werden, ist eine bevorzugte Affinität dieses Agens gegen excitatorische (erregende), sog. glutamatergische Nervenzellsysteme feststellbar, während die hemmenden (inhibitorischen), sog. GABA-ergen Nervenzellsysteme unversehrt bleiben. Diese Gleichgewichtsverschiebung zwischen excitatorischen und inhibitorischen Systemen manifestiert sich in einem Verhalten, in dem die Symptome denen der menschlichen Depression sehr ähnlich sind.
Da bei der Mehrzahl der Patienten mit Depression eine chronische Infektion mit Bornavirus nachweisbar ist, liegt die Vermutung nahe, dass bei Menschen in der Entwicklung der Depression evtl. die Verdrängung der glutamatergen Systeme eine wichtige Rolle spielt. Somit hat die Berliner Arbeitsgruppe Recht, die Glutamat-Mangel (Defizienz)-Hypothese, als Grundlage des depressiven Krankheitsbildes postuliert.
Ende Referat Gosztonyi
Anmerkung: Es ist also auch für Laien logisch, dass es in diesem Fall sinnvoller ist, das Bornavirus als Ursache zu bekämpfen als eine symptomatische Behandlung mit Antidepressiva und Psychopharmika, die sowieso in diesem Fall nicht viel nützt und große Nebenwirkungen hat.
Beteiligung der BDV-Infektion an phasenhaften Affektpsychosen (Dr. Bode)
Das pathogenetische Modell geht ebenso konform mit den in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnissen aus dem Humanbereich, die insgesamt eine Beteiligung der BDV-Infektion an phasenhaften Affektpsychosen stützen. Der Verlauf dieser bedeutsamen Erkrankungen (frühere Bezeichnung „endogene Depression“ und „manisch-depressive Psychose“) ist typischerweise durch einen Wechsel von symptomatischen und symptomfreien Phasen gekennzeichnet (60) und daher eher mit einer funktionellen Störung als strukturellen Schädigung der Nervenzellen vereinbar. Eine Fülle von Daten der biologisch-psychiatrischen Forschung unterstützt die heutige Sicht, nach der sich diskrete Veränderungen des Neurotransmitternetzwerks im limbischen System klinisch als Depression, respektive Manie, manifestieren (166, 60). In akut depressiven Patienten wurden - in Analogie zu Tieren - im Blut häufig Antikörper und Antigenexpression gefunden, konnte virale RNA gezeigt, infektiöses Virus aus Blutzellen isoliert, Virusproteine im Liquor nachgewiesen und ein antidepressiver Effekt mit antiviraler Behandlung beobachtet werden.
Zur Erklärung der Gründe für asymptomatisch bleibende und klinisch manifeste
BDV-Infektionen wurde in dieser Arbeit ein Vulnerabilitätsmodell herangezogen (47),
wonach individuelle Wirtsfaktoren wie genetische Prädisposition,
Stressempfindlichkeit (110) und Immunsuppression das Risiko häufiger
Virusaktivierungen und damit die Erkrankungswahrscheinlichkeit erhöhen (Abb. 17).
Eine hohe oder fehlende Belastung mit individuellen Vulnerabilitätsfaktoren könnte
danach über häufige Erkrankung oder Gesundheit latenter Virusträger mitentscheiden.
Nach der bisherigen Datenlage wäre diese Hypothese einer multifaktoriellen Genese
mit starkem viralem Anteil sowohl für die rezidivierende Form der Borna’schen
Krankheit beim Tier als auch für die in vielerlei Hinsicht analogen, rezidivierenden
Gemütsstörungen beim Menschen plausibel (Abb. 17). Ende Auszug Hab. Dr. Bode
Virus seit Millionen von Jahren im Genom des Menschen - siehe Seite Aktuell
So stellt sich BDV abschließend aufgrund seines erstaunlichen Wirtsspektrums und der ebenso ungewöhnlichen Konserviertheit seines Genoms als entwicklungsgeschichtlich sehr altes Virus dar, das sich in seiner vermutlich Jahrmillionen währenden Ko-Evolution mit Warmblütern perfekt an eine lebenslange Persistenz in deren verhaltenssteuerndem Althirnbereich angepaßt hat.
Bornavirus ist einziges Agens, die das limbische System als Sitz der Gefühle beeinflussen kann
Bornavirus ist aus heutiger Sicht das bisher einzige Agens, das den für die Verhaltens- und Stimmungssteuerung zentralen und evolutionär sehr alten Gehirnbereich, das limbische System, spezifisch beeinflussen kann. Wenn sich bei bestimmten psychiatrischen Störungen des Menschen die Infektionshypothese mit Bornavirus als spezifischem Agens weiter erhärtet, würde dies einer Revolution in der bisherigen psychiatrischen Forschung gleichkommen. Phasenhafte Affektstörungen sind beispielsweise so häufig, dass sie als Lebenszeiterkrankung mindestens 5% der Bevölkerung betreffen. Diese Erkrankungen erzeugen einen hohen Leidensdruck, erfordern lange Krankenhausaufenthalte und verlaufen unbehandelt in 20% der Fälle tödlich (Suizid).
Hohe Durchseuchung bei Menschen und Pferden
Die tatsächliche latente Durchseuchung, insbesondere beim Menschen, ist vermutlich noch höher einzuschätzen als mit den heutigen Methoden erfaßbar ist. Praktisch jeder Dritte ist damit latent infiziert Es wird von 30 - 40 % latent Borna-Infizierte in der Bevölkerung ausgegangen, 5 % von ihnen erkranken ernsthaft mit Selbstmordabsichten. Bei den Pferden sind 60 % infiziert. Ende Zitat Bode
In der Habilitationsschrift von Dr. Liv Bode können Sie sich umfassend über das Virus bei Mensch und Tier informieren:
Kurzfassung der Habilitatiosschrift
Wir möchten mit diesen Infoseiten den Rätseln dieser noch weitgehend unbekannten Zoonose näher kommen und dazu Therapeuten und Ärzte mit Erfahrungsberichten Betroffener zusammenzubringen. Die Erfahrungswerte mit bornainfizierten Pferden und ihren oftmals selbstbetroffenen Besitzern aus den Selbsthilfeforen, insbesondere dem Zoonoseforum www.chronische-infektion.de werden seit 5 Jahren gesammelt. Diese und die bisher auf seroepidemiologischer Basis erhobenen Daten der Bornaforscher bestätigten dann auch, dass die BDV-Infektion weltweit viel stärker verbreitet ist als in früheren Jahren vermutet, in denen BDV noch als exotischer seltener Erreger einer seltsamen Pferdekrankheit galt.
In 2007 wurde Dr. Liv Bode von der Vereinigung deutscher Wissenschaftler der Whistleblower-Preis für ihre Bornaforschungen zuerkannt. Mit dem Preis sollen jährlich auf internationaler Ebene Persönlichkeiten geehrt werden, die in ihrem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis schwerwiegende, mit erheblichen Risiken oder Gefahren für Mensch und Gesellschaft, Umwelt oder Frieden verbundene Missstände aufgedeckt haben.Interessierte finden darüber viel Material auf der Page der deutschen Wissenschaftler www.vdw-ev.de, die sich der Tradition verantwortlicher Wissenschaft verpflichtet fühlen. Aus den ganzen Dokumenten geht hervor, dass die neuen Erkenntnisse über das Virus in Deutschland aus welchen Gründen auch immer nicht unbedingt an die Öffentlichkeit gelangen sollen, was sich aber schon aus den zahlreichen Berichten aus der Pferdewelt bzw. ihrer (oft betroffenen) Besitzer nicht vermeiden läßt.
Um es mit den Worten von Dr. Liv Bode anläßlich der Übergabe des Whistleblower-Preises auszudrücken:
"Was wäre, wenn sich unsere bisherige Forschungen bestätigen würden und die rätselhafte Melancholie tatsächlich infektiöse Wurzeln hätte?" Möchten Sie mehr darüber lesen und die Zusammenhänge besser verstehen? Dann lesen Sie hier im folgenden pdf weiter, was Dr. Bode uns zur Verfügung gestellt hat: Dankesrede von Dr. Liv Bode anläßlich der Übergabe des Whistleblower-Preises 2007 - ein umfassender Bericht aus Vergangenheit zur aktuellen Gegenwart über die Entstehung von Depressionen, die Verbindung mit dem Bornavirus im limbischen System - Gemütsvirus als evolutionäres Erbe? - Krankheitserreger - Begleiter von Anbeginn - wann werden schlafende Bornaviren zum Risiko etc.:http://vdw-ev.de/festveranstaltung/Dankesrede%20Bode.pdf
Es gibt keine Impfung. In Deutschland wird im Veterinärbereich nicht mehr gegen die Borna-Erkrankung geimpft. Die Impfung wurde 1992 verboten aufgrund von berechtigten Zweifeln an der Impfung. Die ausführlichen Veterinärseiten über das Bornavirus bei Pferd, Katze, Schaf, Rind, Papagei u.a. finden Sie unter www.borna-borreliose-herpes.de
Meldepflicht
Die Borna-Virusinfektion gilt nach dem Infektionsschutzgesetz als nicht meldepflichtig beim Menschen, bei den Tieren aber wohl, das dient allein der Statistik, dürfte daher wohl nicht oft gemacht werden, ist wohl auch nicht machbar, wenn allein ca. 60 % aller Pferde latent infiziert sind.
akt. 18.1.10
